Franz Fuchs und die BBA
"Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht" (Oliver Hassencamp)
Ingo Wieser, Sprengstoffexperte und Leiter des Gutachterteams vom Amt für Wehrtechnik, bestätigt laut Gerichtsgutachten, dass Franz Fuchs nur Laienwissen hatte und das Zündmittel nicht angefertigt haben konnte.
Der renommierte Salzburger Historiker O. Univ. Prof. Dr. Heinz Dopsch, erstellte 2 Gutachten zu den Bekennerschreiben:
"Versuch eines Täterprofils: Aus all den dargelegten Gründen, zu denen noch viele Einzelheiten nachgetragen werden können, ergibt sich der Schluß, daß der Täter wohl ein absolvierter Akademiker ist. Darauf weisen auch die teilweise recht geschickten und meist zutreffenden Formulierungen hin. Er muß nicht unbedingt ein Diplom oder Doktorat in Geschichte erworben haben - das könnte auch in einem ganz anderen Fach der Fall gewesen sein - aber zumindest Geschichte und auch Altgermanistik oder Sprachwissenschaften gehört haben und dafür ein besonderes Interesse besitzen."
[Fragment aus "Gutachten zu den weiteren Bekennerschreiben 5-7 der Bajuwarischen Befreiungsarmee", Prof. Dr. Heinz Dopsch]
Anfang Juni 1995 wurden 7 Brief- und Buchbomben von Graz, Salzburg und Innsbruck nach Rumänien verschickt. Empfänger waren Minderheitenvertreter aus Siebenbürgen, u.a. Pfarrer Laszlo Tökesz, Symbolfigur der Revolution des Jahres 1989 in Rumänien. Die Sendung an das Siebenbürgische Journal "Erdely Naplo" wurde in der rumänischen Stadt Satu Mare gestempelt. Franz Fuchs besaß aber seit 1992 keinen gültigen Reisepaß und hätte also nicht nach Rumänien reisen können.
Die Sprengsätze befanden sich jeweils in dem rumänischen Buch: "Sapte Ani Apocaliptici - Dezvaluirile Contelui Inccapucciato" (Gnosis, Cartea Romaneasca, erschienen 1992, ISBN 973-23-0415-4), auf Seite 25.
Leseprobe (Übersetzung) aus dem Kapitel "Die Welt während der sieben apokaliptischen Jahre", Seite 231: "Österreich war poltisch und wirtschaftlich bisher sehr stabil. Beginnend mit 1993 jedoch wird sich die Lage in Österreich verschlechtern [...]. Es ist durchaus möglich, dass Österreich in absehbarer Zukunft von der europäischen Landkarte verschwindet". Diese Prophezeiungen werden von der Hauptfigur des (futuristischen) Romans ausgeführt: Graf Incapucciato.
Für die USA sind beginnend mit 1999 besondere Terrorakte angesagt, nämlich "Superterrorangriffe" (Seite 224).
Mag. Michael Sika, damaliger Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, erklärte dezidiert, die rumänischen Attentate hätten mit den österreichischen Briefbombenanschlägen nichts zu tun gehabt: "Die rumänischen Behörden haben jede Kooperation mit uns abgelehnt. Das beweist deutlich, daß sie eine andere Spur verfolgen und kein Konnex zu Franz Fuchs besteht".
Eine sehr dürftige Argumentation, aus meiner Sicht.
Wie die Zeitschrift "Format" am 22.2.1999 (Ausgabe 8/99) richtig berichtet, "Wien war stets eine wichtige Basis des Ceausescu-Geheimdienstes im westlichen Ausland. Im Jahr 1988 startete beispielsweise eine vermutlich aus dem Dunstkreis der Securitate stammende Vereinigung namens Söhne des Avram Iancu, eine Drohbriefaktion gegen rumänische Exilanten in Deutschland. Auch diese Schreiben wurden in Österreich abgeschickt".
Der im Oktober 2009 verstorbene ex-Chef der DIE (rumänische Auslandsspionage) Plesita sagte 1989 aus, dass der Terrorist Carlos über Vermittlung Arafats die Aufträge der Diktator-Familie Elena und Nicolae Ceausescu ausführte, kurz nach der Flucht Pacepas in die USA. Ein Augenzeuge aus dem damaligen Staatsapparat berichtet: "Ceausescu wollte keinesfalls direkten Kontakt zu Carlos, darum kümmerte sich die Securitate. Carlos wurde unter Schutz der rumänischen Antiterrorabteilung mit 150 Km/Std. durch Bukarest eskortiert, mit Sirene, Blaulicht und gezogenen Waffen".
Carlos hat einige Anschläge im Auftrag Ceausescus durchgeführt: Anfang Februar 1981 haben Paul Goma, Serban Orascu und Nicolae Penescu (Radio Free Europe in München) Buchbomben per Post erhalten. Diese waren scharf und sollten beim Aufmachen des Pakets explodieren.
Victor Magureanu, ex-SRI Direktor, bestätigte im Dezember 1989: „wir wissen, ... dass dieser Terrorakt im Auftrag der Bukarester Regierung von Carlos durchgeführt wurde".Am 22.Dezember 1993 wurde Hofrat Gustav Hochenbichler, hochrangiger Beamter der österreichischen Staatspolizei als Spion überführt: "Die Staatsschutzabteilung der Bundespolizeidirektion Wien (war) somit jahrelang eine Filiale der DDR-Stasi" (Erwin Kemper "Verrat an Österreich", Wien, 1996. Der Autor ermittelte im Fall Hochenbichler).
Die Bombenattentate des Jahres 1995 in Richtung Rumänien wurden aus den Ermittlungserkenntnissen im Gerichtsakt ausgeklammert und auch nicht gesondert zur Anzeige gebracht, obwohl sie mitten in der Anschlagsserie stattfanden. Obwohl festgehalten wurde, dass bei den BBA-Bomben Bauteile aus den ehemaligen Ostblockländern verwendet wurden. Auch die ersten Kuverts mit Bekennerschreiben sollten aus diesem Gebiet stammen. Ein weiterer Bezug zu Rumänien ist die Erwähnung eines rumänischen Namens in einem der Bekennerbriefe.
Vor allem aber, meint die Autorin dieser Homepage, dass der ursprünglich verschollene "Sika-Brief" das Stück ist, wo der Autor am meisten Preis von sich gibt. Herr Mag. Sika sagte, nicht gewusst zu haben, wo der Brief seinerzeit unterging. Das wurde ihm in seiner Position als Generaldirektor für öffentliche Sicherheit auch nicht mitgeteilt.
Franz Fuchs war laut Angaben seines Dienstgebers niemals fähig gewesen, solche Bekennerbriefe zu schreiben. Dazu der Journalist und Buchautor Hans Christian Scheid in seinem Buch "Franz Fuchs" (Styria Verlag 2001):"Warum hat der Grazer Fuchs-Prozess den BBA-Bekennerschreiben praktisch keine Aufmerksamkeit gewidmet? Wäre dabei vielleicht allzu rasch klar geworden, dass Franz Fuchs die Bekennerschreiben nicht verfasst haben konnte?
"Franz Fuchs machte am Abend seiner Festnahme mit allen Mitteln auf sich aufmerksam, er verfolgte zwei verängstigte Frauen, sodass sie gezwungen waren, die Polizei anzurufen.
Wer sind diese zwei Frauen ? Darüber wurde wenig berichtet: "Experiments - DerStandard(These articles were kindly provided by the Daily Austrian Newspaper Der Standard)
"Wir gehen aufs Ganze" DER STANDARD Mittwoch, 16. Juni 1999, Seite 11 Chronik "Wir gehen aufs Ganze" Fuchs-Belohnung: Zivilprozess um zehn Millionen Schilling Michael Simoner Wien/Graz - Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Diesen Grundsatz wollen ab heute, Mittwoch, das Ehepaar Sabine und Mirko Kuehn sowie Gabriele Scheucher, alle aus Gralla in der Steiermark, im Zivilprozess um die Auszahlung der Ergreiferpraemie zum Fall Franz Fuchs geltend machen. Im Wiener Justizpalast geht es um genau zehn Millionen Schilling (726.728 EURO). Soviel hatte das Innenministerium fuer Hinweise, die zur Ausforschung des Bombenattentaeters fuehrten, versprochen. Bisher wollte die Finanzprokuratur der Republik nur einen Teil des Geldes herausruecken. Doch die angebotenen drei Millionen Schilling (218.000 EURO) kostete den Grazer Rechtsanwalt Kurt Klein, der die zivile Millionenklage eingebracht hat, nicht einmal einen Lacher. "Unakzeptabel. Wir gehen aufs Ganze", so Klein im Gespraech mit dem STANDARD. In der Formulierung der Belohnungsauslobung habe es keine Einschraenkung gegeben. Also spiele es keine Rolle, dass seine Mandanten im Oktober 1997 nicht wussten, wer denn auf ihre Initiative hin verhaftet worden sei. Wie berichtet, hatten sich Sabine Kuehn und ihre Freundin Gabriele Scheucher im Auto von einem anderen Wagen verfolgt gefuehlt. Also verstaendigte Frau Kuehn telefonisch ihren Mann, der wiederum alarmierte die Gendarmerie, die wiederum verhaftete den Mann, der sich spaeter als der gesuchte Briefbombenattentaeter Franz Fuchs herausstellte. Mit seiner Verurteilung zu lebenlsanger Haft im Maerz wurde schliesslich die Belohnung faellig. Haider zahlte aus So sah es gestern jedenfalls auch Kaerntens Landeshauptmann Joerg Haider und uebergab den Kuehns und Frau Scheucher die von der FPOe 1994 ausgesetzte Belohnung von 300.000 Schilling (21.800 EURO). Klein hofft nun, "dass die Republik dem guten Beispiel" folgt. Er hat fuer den Prozess Innenminister Karl Schloegl und dessen Vorvorgaenger Franz Loeschnak als Zeugen beantragt. © DER STANDARD, 16. Juni 1999 Automatically processed by COMLAB NewsBench Up to the SOMLib Digital Library ProjectHomepage".
Seine Nervosität soll die Einführung der Rasterfahndung als Grund gehabt haben; aber auch die Aussage des Herrn Mag. Sika, der Täterkreis sei auf etwa 10 Personen reduziert worden. Was sprach eigentlich gegen eine solche Aussage zu einem früheren Zeitpunkt? Fuchs wollte sich an diesem Abend umbringen. Er starb nicht, weil er sich bei dem Bau seines letzten Werkes verkalkuliert hätte. Der genaue, vielseitige und professionelle Attentäter.Auch für Nicht-Psychologen - logisch undenkbar.
Franz Fuchs beging Selbstmord in der Justizanstalt Graz-Karlau, etwa 6 Monate nach seiner Überstellung am 9. August 1999 ...Herr Oberst Gerhard Plotho, stellvertretender Leiter der Justizanstalt Graz-Karlau und Herr Bezirksinspektor Josef Url, Leiter der Krankenabteilung der Justizanstalt Graz-Karlau konnten (durch freundliche Genehmigung des Bundesministeriums für Justiz) über interessante Details berichten: die Häftlingszelle von Franz Fuchs wurde -entgegen bisher kolportierter Meldungen- ausschliesslich behindertengerecht umgebaut und verfügte weder über Video- noch über Audioüberwachung. Die Glassscheiben wurden lediglich durch Kunststoffscheiben und der Spiegel wurde durch einen rostfreien Blechspiegel ersetzt, um eventuelle Selbstmordversuche zu verhindern. Allein ein Mauerhaken wo vorher ein Bild gehangen hatte, wurde bei dem Umbau übersehen: jener Haken, wo sich Franz Fuchs im Februar 2000 erhängte. Franz Fuchs wurde als sehr freundlich und höflich, jedoch sehr unnahbar beschrieben. Der einzige Insasse mit dem er sprach, war Udo Proksch. Die Inhalte dieser Gespräche werden aus Rücksicht auf die Verstorbenen nicht veröffentlicht.
Ich habe im Zuge meiner Recherche zuletzt am 30. Juni 2008 eine e-Mail-Anfrage mit folgendem Inhalt an das Innenministerium gerichtet:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
ich arbeite an einer Recherche über jene Brief- und/oder Buchbombenserie, welche im Jahr 1995 (Mai oder Juni) von Österreich aus nach Rumänien ging. Die Empfänger in Rumänien waren Minderheitenvertreter (Roma. Deutsche, Ungarn, u.a. auch Bischof Laszlo Tökes, Symbolfigur der Revolution des Jahres 1989).
Hier einige Fragen an die zuständigen Personen im Innenministerium dazu:
Wurde in dieser Sache ermittelt und wenn ja, von wann bis wann und mit welchen Ergebnissen ?Welche Dienststelle in Österreich wurde mit den Ermittlungen betraut ? Ist seinerzeit ein Rechtshilfeansuchen an Rumänien ergangen und wenn ja, mit welchen Ergebnissen ? Welche Stellen, bzw. welche Personen wurden in Rumänien diesbezüglich kontaktiert ? Gibt es eine Stellungnahme aus Rumänien und wie lautet diese? Wurden die Urheber dieser Anschläge überführt und wenn ja, wer sind sie ? Wurde diese Briefbombenserie auf Zusammenhänge zu den BBA-Attentaten untersucht und wenn ja, in welchem Zeitraum, wie lange und mit welchen Ergebnissen ? Wurde seitens der österreichischen Ermittlungsbehörde Strafanzeige erstattet und wenn ja, mit welcher Aktennummer?"
Ich habe bis dato (2009) keine Antwort vom Innenministerium bekommen. Laufende Ermittlungen ? Mangelnde Informationen ?
Eine gleichlautende Anfrage an das Justizministerium vom 16. Juli 2008 wurde rasch beantwortet:
"Mit Bezug auf Ihre E-Mail-Anfrage vom 16. Juli 2008 kann ich Ihnen als Leiter der
u.a. für politische Strafsachen zuständigen Fachabteilung des Bundesministeriums
für Justiz mitteilen, dass sich nach den mir vorliegenden Informationen die
rumänischen Behörden auf Grund der dortigen Vorfälle insbesondere zum Nachteil
des Laszlo TÖKES nicht mit einem Rechtshilfeersuchen an Österreich gewandt
haben. Ebenso haben die österreichischen Justizbehörden keinen Anlass gesehen,
die rumänischen Seiten zu befassen. Soweit mir in Erinnerung ist, spielte die
Versendung von Briefbomben an Minderheitenvertreter in Rumänien bei den
Inlandserhebungen zur österreichischen Briefbombenserie - wenn überhaupt - nur
eine sehr untergeordnete Rolle. Ich ersuche um Verständnis, dass es schon aus
zeitlichen Gründen nicht möglich ist, den aus mehreren umfangreichen Aktenreihen
bestehenden „Briefbombenkomplex" im Detail durchzusehen, um Ihnen eine
abschließende Antwort auf die gestellten Fragen geben zu können.
Ich hoffe, dass ich damit wenigstens einen Teil Ihrer Fragen beantworten konnte, und
verbleibe
mit freundlichen Grüßen (Unterschrift)"
Diese Recherche fing schon 1995 an, damals war ich ziemlich ratlos und versuchte mehr durch Provokationen eine Reaktion auszulösen. Ich schrieb offene Briefe an Tageszeitungen (sie waren an die Attentäter gerichtet), u.a. an die Tageszeitung "Die Presse". Nach meinem zweiten Brief erschien folgende Anzeige (Rubrik: 'Verschiedenes') ebendort:
"Gestern habe ich den 2ten Brief abgeholt. Ich bedanke mich für Ihre Fürsorge. Wenn Sie mich anrufen so genügt ein Blick ins Telefonbuch. Mein Name hat 8 Buchstaben 3 fehlen. Es war eine seg. Schöbsiade. Ade."
Thomas Müller, der federführende Kriminalpsychologe und Autor des Täterprofils in diesem Fall, hat seine Funktion (leitender Kriminalpsychologe einer one-man-Abteilung im Innenministerium) mit Ende 2004 zurückgelegt und arbeitet nun in Teilzeit bei der Sicherheitsakademie des Innenministeriums).
Kriminalpsychologe Thomas Müller zeichnete auch für das Gutachten im Fall Jack Unterweger verantwortlich.
Sigrun Tretter, ehemalige Leiterin der Sonderkommission Briefbomben, ist seit mehreren Jahren als Beraterin in der Privatwirtschaft selbständig.
